Jean Tinguely gehört zu den ersten, die es getan haben: die Zerstörung des Kunstwerks als Kunstwerk. Die spielerisch destruktive Kraft steht hier im Zeichen des Unvorhergesehenen und Neuen. Dabei steckt ein Gedanke dahinter, der in den Avantgarden immer schon eine Rolle gespielt hat: manchmal muss etwas abgerissen werden, damit das Mögliche entsteht.
Wo die Kunst jedoch nach vorne prescht, ist der Kapitalismus nie weit. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter nannte die «schöpferische Zerstörung» eine Grundvoraussetzung für Wachstum und Fortschritt. Ein Konzept, das er von 1911 an weiterentwickelte und das heute unter dem Begriff der «Disruption» libertäre Politik und Popkultur endgültig miteinander verschmelzen lässt. Das Symbol stammt aus einem Kult-Horrorfilm der 1970er Jahre und der Heavy-Metal-Kultur: die Kettensäge.
Es wäre ein Leichtes, dies als Form eines skurrilen Männlichkeitskultes wegzuwinken, doch auch der feministischen und queeren Kunst sind Zerstörung und Disruption nicht fremd. Abbruch und Aufbruch liegen manchmal nahe beieinander.
Anlässlich der Arbeit «Die Verwandlung» von Manuel Gerst fragen wir: Was ist die Faszination an der Zerstörung? Was ist vielleicht ihre Notwendigkeit?
Mit dabei: Mascha Madörin, Ökonomin und Pionierin der feministischen Wirtschaftswissenschaften, Roland Wetzel, Direktor des Museum Tinguely und der Künstler Manuel Gerst.
So 29. März, 15:30 Uhr
Museum Tinguely
Dauer: ca. 60 Minuten
Eintritt frei (kein Eintritt zur Ausstellung).
Mit: Manuel Gerst (Künstler), Mascha Madörin (Ökonomin), Roland Wetzel (Direktor Museum Tinguely)
Moderation: Boris Nikitin