Ali Cherri arbeitet in den Bereichen Video, Installation, Zeichnung und Performance. Doch es sind vor allem die jüngeren filmischen Werke, die den libanesischen Künstler zu einem der interessantesten Exponenten der Gegenwartskunst machen, mit Ausstellungen in Wien, Paris, Basel und der Biennale in Venedig. Mit «The Watchman» und «The Dam» zeigt das Museum Tinguely im Rahmen der Basler Dokumentartage zwei Werke, die Dokument und dessen Double zu einem hypnotischen Zwischenraum verschmelzen. An realen Orten mit den tatsächlich dort lebenden und agierenden Menschen gedreht, verschieben Cherris Filme die Wirklichkeit so weit ins Fiktionale, dass sie den Charakter einer Halluzination annehmen.
Boris Nikitin, Leiter der Dokumentartage, wird zusammen mit Ali Cherri in die Filme einführen.
The Watchman
Es ist eine dieser unzähligen Trennlinien, die in der Zeit hängen gebliebenen sind: die Grenze zwischen Zypern und der Türkischen Republik Nordzypern. Ein junger Soldat hält pflichtbewusst seine Wache auf einem abgelegenen Wachturm. Nacht für Nacht sucht er den Horizont ab und wartet auf den Feind, der nie auftaucht. Eines Abends beobachtet er während seines Dienstes seltsame Dinge auf der Südseite der Hügel. Die Vorbereitung eines Angriffs vielleicht? Als der Soldat seinen Mut zusammennimmt und beschliesst, der Sache auf den Grund zu gehen, stösst er auf ein Heer von Soldaten, die an dieser Front gefallen sind. Ali Cherris Kurzfilm «The Watchman» ist ein «cinematographic poem» über die Absurdität eines kalt gewordenen endlosen Krieges. .
25 Minuten
The Dam
Ein Staudamm inmitten der Wüste des Nordsudan. Das Bauwerk wird von einem chinesischen Unternehmen errichtet, nun steht es in der atemberaubenden Landschaft wie ein kolossales abstraktes Raumschiff. Einer der Maurer auf der Baustelle ist Maher El Khair. Zusammen mit anderen Arbeitern stellt er jeden Tag aus dem nassen Schlamm hunderte von identischen Ziegeln her und driftet immer mehr in eine andere Realität ab. El Khair ist dabei nicht nur der fiktive Protagonist des Films, sondern zugleich auch sein realer Hauptdarsteller. Ein Doppelgänger, der sich selbst spielt. Was ein konventioneller Dokumentarfilm sein könnte, wird bei Ali Cherri zu einem poetisch radikalen Spielfilm, der die Realität auflöst.
«Ein visuell beeindruckendes, geheimnisvolles Werk, eine Art magische sozialrealistische Vision.» The Guardian
80 Minuten
Fr 27. März, 20:00 Uhr
Museum Tinguely
Dauer: ca. 120 Minuten
The Dam: Arabisch mit englischen Untertiteln, The Watchman: Türkisch mit englischen Untertiteln
Eintritt frei, Kollekte
Regisseur/Autor: Ali Cherri